Michael Ende und die Musik

Notenblatt, "Goggolori"
Notenblatt, "Goggolori"
In dem Komponisten Wilfried Hiller fand Michael Ende einen Gleichgesinnten
In dem Komponisten Wilfried Hiller fand Michael Ende einen Gleichgesinnten
Michael Ende und der Musiker Wilfried Hiller sind in ihrem Bestreben verbunden Literatur und Musik in Einklang zu bringen.
Michael Ende und der Musiker Wilfried Hiller sind in ihrem Bestreben verbunden Literatur und Musik in Einklang zu bringen.

Im Elternhaus von Michael Ende ist zwar viel von Kunst und Literatur die Rede gewesen, die Musik aber spielte nur eine untergeordnete Rolle. Michael Ende hat, sich selbst mit der Gitarre begleitend, zu einigen seiner Liedertexte Melodien komponiert, die er öfter seinen Freunden vorspielt. Dazu gehören vor allem Die Papiertragödie und Die Ballade vom nächtlichen Regen.
Zunehmend interessiert sich Michael Ende für Musik als Vertonung seiner Texte, was sicher durch die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Mark Lothar angeregt worden ist. Für ihn verfasst Michael Ende 1975 das Libretto für eine Oper von Momo und die Zeitdiebe, die am 19. November 1979 im Landestheater Coburg uraufgeführt wird.
Schon 1976 nimmt Michael Ende Verbindung mit dem Komponisten Hans Posegga auf, dem er den Vorschlag unterbreitet, seine Texte zu Liedern und Chansons zu vertonen. Michael Ende stellt sich eine Musik im Stil der italienischen Cantautori und der französischen Chansonniers vor: hemdsärmelig vorgetragen, nur von einer Gitarre begleitet.

Vorbild ist vor allem die Musik von Jacques Prevert und Jacques Brel, von Angelo Branduardi und Fabrizio de André. Hans Posegga schlägt vor, Michael Ende solle die Lieder doch selbst vortragen, doch dieser winkt ab. Im Jahre 1978 werden dann die von Hans Posegga vertonten Lieder mit aufwendiger Orchesterbegleitung aufgenommen, gesungen von dem Schauspieler Klaus Löwitsch.Die Langspielplatte geht mit dem Titel Narrenprozession in Produktion, doch ist Michael Ende von dem Ergebnis wohl eher erschrocken. Er beschließt mit seinem Verleger, die Produktion nicht auf den Markt zu bringen. Einige der Melodien von Hans Posegga werden Michael Ende weiter begleiten. Gern trägt er sie einem engen Freundeskreis vor, meistens zu später Stunde, wobei er sich selbst auf der Gitarre begleitet.

Man mag an eine Fügung des Schicksals glauben oder nicht, jedenfalls lernt Michael Ende im Jahr 1978 den Komponisten und Orff-Schüler Wilfried Hiller und seine Frau Elisabeth Wouska kennen. Das Ehepaar Hiller wohnt damals in Rom, in der Deutschen Akademie der Villa Massimo, und bittet Michael Ende, ihn in der Villa Liocorno zu besuchen. Der Schriftsteller und der Musiker verstehen sich nicht nur künstlerisch auf Anhieb, stimmen im Grundton überein, sprudeln nur so vor Ideen und gegenseitigen Anregungen. Noch am Tag ihres ersten Treffens werden Pläne für gemeinsame Projekte geschmiedet. Wort, Musik und Bild: Immer war Michael Ende auf der Suche nach Weggefährten, nach Künstlern und Musikern, die künstlerisch in die gleiche Himmelsrichtung blicken. Alle drei Kunstformen zu verbinden, war immer wieder sein Bestreben. Mit Wilfried Hiller hat Michael Ende endlich den Komponisten getroffen, mit dem er seine Vorstellungen von dem Zusammenspiel zwischen Literatur und Musik in zeitgemäßer Form verwirklichen konnte. An jenem Nachmittag in Genzano di Roma beginnt jedenfalls eine lange und produktive Partnerschaft, die bis zum Tod des Schriftstellers andauern wird. Von den Werken Michael Endes, die Wilfried Hiller in den nächsten 17 Jahren in Musik umsetzt, wird noch im Einzelnen berichtet werden.