Mariko Sato und Japan

Michael Ende, 1989 in seiner Münchener Wohnung
Michael Ende, 1989 in seiner Münchener Wohnung
Michael Ende und Mariko Sato heirateten am 4. September 1989
Michael Ende und Mariko Sato heirateten am 4. September 1989
Michael Ende, Aufnahme aus dem Jahr 1990
Michael Ende, Aufnahme aus dem Jahr 1990

Schon in seiner Kindheit, als Michael Ende die ersten Bücher von Lafcadio Hearn (1850-1904) liest, übt Japan auf ihn eine besondere Faszination aus. Angeregt durch die Lektüre von dessen japanischen Geistergeschichten verfasst er bereits 1959 das Hörspiel Die Päonienlaterne, das aber niemals gesendet wird. Seine Neugier gilt Japan vor allem wegen der kulturellen Andersartigkeit: Sprache und Schrift unterscheiden sich so sehr von unserer, dass er hinter ihnen auch ein andersgeartetes Bewusstsein, eine andere Sicht auf die Welt vermutet. Seine Beschäftigung mit Zen verstärkt das Interesse an dem geheimnisvollen Land. Aufgrund der starken Stilisierung von Lebenssituationen in einem hoch entwickelten Zeremoniell, wie dem des Teetrinkens etwa, erscheint ihm die dortige Kultur in einem wunderbaren Licht. Aufmerksam beobachtet er die Zerrissenheit zwischen dem Japan der alten Traditionen und dem der modernen Industrie-gesellschaft mit all ihren verheerenden Auswirkungen. Michael Endes Bücher finden in Japan schnell eine große Leserschaft. Bis ins Jahr 1993 sind allein in Japan von Momo und Die unendliche Geschichte über zwei Millionen Exemplare verkauft worden. Vermutlich stößt gerade Michael Endes Zivilisationskritik der modernen Industriegesellschaft hier auf großes Verständnis.

1976 lernt Michael Ende auf der Internationalen Jugendbuchmesse in Bologna Mariko Sato kennen, die, 1974 aus Japan kommend, seitdem in der Münchner Internationalen Jugendbibliothek arbeitet. Sie übersetzt einige seiner Werke ins Japanische und führt Michael Ende im Laufe der Jahre in die Geheimnisse der fremden Kultur ein, die ihn so sehr fasziniert. In den Jahren 1977 bis 1980 arbeiten Michael Ende und Mariko Sato gemeinsam an der Übersetzung von etwa zehn Märchen des japanischen Schriftstellers Kenji Miyazawa, die allerdings nicht veröffentlicht worden sind. Aus dem Arbeitsverhältnis entwickelt sich bald eine enge Freundschaft.
Mariko Sato begleitet Michael Ende bei mehreren Reisen nach Japan. Auf der ersten Japanreise im Jahre 1977 besuchen sie gemeinsam Tokio und Kioto. Dort erlebt Michael Ende das Kabuki- und No-Theater, was ihn sehr beeindruckt, kann sich auch einen Eindruck von der Kunst des Bogenschießens verschaffen und unterhält sich in einem Zen-Tempel mit einem "Roshi" (Altmeister).
Im Jahre 1986 ist Michael Ende als Gast der J.B.B.Y. (Internationales Jugendbuch Komitee) auf deren Kongress in Tokio. Hier hält er seinen Vortrag "Über das Ewig-Kindliche" , in dem er zum ersten Mal ausführlich sein poetisches Konzept darlegt.

In Tokio wird 1989 die Ausstellung "Edgar und Michael Ende" eröffnet, die anschließend in den Städten Otsu, Miyazaki, Nagasaki, Osaha, Nagoiya und Fukuyama gezeigt wird. Michael Ende nimmt auf Einladung der Zeitung Shimbun an der Eröffnung teil und bereist Japan für zwei Monate in Begleitung und unter der Führung von Mariko Sato ein drittes Mal.
Im darauf folgenden Jahr wird in der japanischen Stadt Shinano-machi innerhalb des Märchenmuseums Kurohime Dowakan ein Michael-Ende-Archiv eröffnet, für das der Autor sowohl Korrespondenzen wie auch private Gegenstände zur Verfügung stellt. Am 23. Oktober 1992 reist Michael Ende mit seiner Frau Mariko Sato-Ende ein letztes Mal für drei Wochen nach Japan. Gemeinsam besuchen sie das Museum Dowakan in Shinano-machi, feiern mit dem Verlag Iwanami das einmillionste verkaufte Exemplar des Märchenromans Momo und besuchen die Städte, die Michael Ende noch nicht kannte, u.a. Kanazawa und Hamamatsu.

Bei all seinen Aufenthalten in Japan sucht Michael Ende immer wieder ein tieferes Verständnis der japanischen Kultur, soweit "das eben aus einer so großen Entfernung und überhaupt [für einen] Europäer" möglich ist. Ihm ist bewusst, dass die von ihm bewunderten subtilen Phänomene wie die Haiku-Lyrik, das No-Theater oder auch die Zen-Künste wohl nur von einem Japaner vollständig zu erfassen sind. "Aber ich liebe und bewundere diese Dinge, und sie haben auf mich und meine eigenen Bemühungen einen gar nicht wegzudenkenden Einfluss ausgeübt."