Neue Verhältnisse

Michael Endes Variationen zu Lewis Carrolls Nonsensgedicht und die Illustration von Henry Holiday zu "The Hunting of the Snark"
Michael Endes Variationen zu Lewis Carrolls Nonsensgedicht und die Illustration von Henry Holiday zu "The Hunting of the Snark"
Plakat zur Aufführung des Wunschpunsches im Deutschen Schauspielhaus Hamburg.
Plakat zur Aufführung des Wunschpunsches im Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

Das Jahr 1988 wird Michael Endes Verhältnisse in doppelter Weise grundsätzlich neu gestalten, im positiven wie im negativen Sinne.
Zunächst einmal wird ein neues Stück von Michael Ende von Wilfried Hiller in Musik gesetzt: Am 16. Januar 1988 wird zur Eröffnung des Münchner Prinzregententheaters die musikalische Clownerie Die Jagd nach dem Schlarg in einer Inszenierung von Friedrich Meyer-Oertel uraufgeführt. Die Oper ist ein Auftragswerk der Generalintendanz der Bayerischen Staatstheater. Das Libretto hat Michael Ende frei nach dem Nonsensgedicht The Hunting of the Snark von Lewis Carroll verfasst. Regie führt Carl Heinz Erkrath. Nach einer vernichtenden Kritik von Joachim Kaiser in der Süddeutschen Zeitung wird das Stück nicht mehr aufgenommen. Das Libretto samt dem von Michael Ende ins Deutsche übersetzte Gedicht von Lewis Caroll The Hunting of the Snark erscheint im Weitbrecht Verlag. Herbert Rosendorfer verfasst zu dieser Ausgabe ein Vorwort.
Ebenfalls im Januar dieses Jahres wird im Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz die von Elisabeth Wouska zusammengestellte Ausstellung "Michael Ende und Wilfried Hiller" eröffnet, welche die zehnjährige intensive und erfolgreiche Zusammenarbeit der beiden Künstler dokumentiert.

Michael Ende hat der Erfolg kein Glück gebracht: Still und heimlich hatte sich zwischen all diesen Erfolgen und Arbeiten eine Katastrophe angebahnt, die plötzlich wie eine gewaltige Woge aus heiterem Himmel auf Michael Ende einstürzt und ihn beinahe zerstört: Im Mai 1988 erfährt Michael Ende, dass sein damaliger Steuerberater ihn nicht nur betrogen, sondern auch in seinem Namen Schulden in Millionenhöhe gemacht hat. Michael Ende steht vor dem Bankrott. Sowohl Bilder seines Vaters als auch seine Möbel werden gepfändet. Sein Verlag stellt sich hinter ihn und verhindert das Schlimmste. Es gelingt seinen Freunden, die Angelegenheit vor der Presse geheim zu halten. Michael Ende verkraftet diesen Schicksalsschlag vermutlich nur deswegen, weil für ihn Geld immer nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Die zahlreichen Verhandlungen, die nötig werden, um gemeinsam mit seinen neuen Beratern seine finanziellen Verhältnisse neu zu ordnen, überschreiten fast die Grenzen seiner Belastbarkeit.

Das Leben geht dennoch weiter: Am 4. September wird in dem Kölner Opernhaus das Spiel in sieben Bildern Das Gauklermärchen als Oper mit der Musik von Gerhard Konzelmann uraufgeführt und nach nur einer Aufführung abgesetzt. Für sein Gesamtwerk wird Michael Ende mit dem Kulturpreis der Bayerischen Raiffeisenbanken ausgezeichnet. Am 1. April 1988 strahlt der SWF Baden-Baden die Sendung "Trödelmarkt der Träume" aus.
Verschiedene Liedermacher, Chanson- und Schlagersänger, darunter Angelo Branduardi, Joana Emetz, Joyce Faber, Astrid Jakob und Hana Zagorowa, interpretieren Lieder aus der Feder von Michael Ende, die in dem gleichnamigen Band veröffentlicht sind.
Im nächsten Jahr, 1989, gibt Hansjörg Weitbrecht, der Verleger des K.Thienemanns Verlag, im Deutschen Taschenbuch Verlag Das Michael Ende Lesebuch heraus, das eine repräsentative Auswahl von Texten des Autors enthält. Dessen neuer Roman Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch wird veröffentlicht und entwickelt sich im Laufe weniger Wochen zu einem Bestseller, der weltweit auf Interesse stößt.