Der Münchner Fasching

Ende der fünfziger Jahre engagiert sich Michael Ende für die Münchner Faschingsfeste wie sein Vater, der diese Tradition ebenfalls weitergeführt hat. Unter dem Oberbegriff Die Außenbezirksvermählung werden von einem kleinen Freundeskreis, darunter auch der Tänzer Heino Hallhuber und der spätere Kunstsammler Franz Moll, regelmäßig in der Schwabinger Max-Emanuel-Brauerei legendäre Faschingsfeste gefeiert. Michael Ende schreibt hierfür mehrere Stücke, u.a. eine griechische Tragödie mit dem Titel "Der Finger des Schicksals oder Der Liebe Zaubermacht". Ein anderes Stück ist in der Welt des Orients angesiedelt und trägt den klangvollen Namen "Die Sklavin und der Henkerssohn".

Nach sechs Veranstaltungen müssen diese Faschingsfeste eingestellt werden, da sich wegen ihrer zunehmenden Popularität das Publikum veränderte - die damalige Münchner Schickeria war aufmerksam geworden. Für die eigenen Freunde und Bekannte sind Eintrittskarten nur noch unter der Hand zu Höchstpreisen erhältlich.
Eine Begegnung muss wohl unter einem besonderen Stern gestanden haben: Ein befreundeter Grafiker, ein ehemaliger Schulkamerad aus dem Maximilians-Gymnasium, bittet Michael Ende 1958 um einen drei oder vier Schreibmaschinenseiten umfassenden Text für ein Bilderbuch. Der macht sich an die Arbeit und überlässt sich einfach der Lust am Fabulieren, ohne Plan, ohne Absicht.